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PRESSESTIMMEN DISTANZLOS"Denn 'distanzlos', der neue Soloabend von Thomas Lehmen, der früher bei Sashs Waltz und Mark Tomkins tanzte, ist eine große Wunschmaschine. Es geht um nie ausgeführte Ideen, um große Gefühle und kleine Experimente, um Hass, Verzweiflung und um den Spalt, der aufklafft zwischen Vorstellung und Ausführung. In welchem Moment ist der Künstler mit sich selbst identisch? Im Moment der reinen, noch nicht veräußerten Idee, im Moment ist der Ausführung, oder ist jeder Wunsch nach Identität schon in sich absurd? Ich hatte einen Traum, sagt Thomas Lehmen, ich war mein Vater und trug eine Wehrmachtsuniform und als ich aufwachte, hatte ich das Gefühl ein Mörder zu sein. Lehmen robbt mit einem gewaltigen Mikrofon im Mund über den Boden und erzeugt schreckliche Geräusche, als wäre Krieg. Er schippt mit einer imaginären Schaufel einen imaginären Sandhaufen von der einen Seite der Bühne auf die andere, weil er irgendwann einmal dachte, dass das eine wunderbare Kunstaktion sein könnte und erzählt herzzergreifend vom letzten großen Grubenunglück im Ruhrgebiet und von der heroischen Befreiung der verschütteten Kumpel. Wieder und wieder zieht Lehmen seine Zuschauer in den Bann - und düpiert sie im nächsten Moment. Der Wunsch nach mitfühlender Identifikation - mit dem Leiden der verschütteten Kumpel, dem schrecklichen Gestöhne ins Mikro - wird vorgeführt als dass, was es heute vor allem ist: Eine medial erzeugte Phantasie. Und doch können wir nicht davon lassen. Der Darsteller nicht und seine Zuschauer auch nicht. Am Ende steht Lehmen etwas verloren auf Bühne. Das Licht geht aus und der gute alte Verfremdungseffekt schlägt Salto."
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